Studer A80

Ein lang gehegter Traum war diese Masterbandmaschine, auf der Alben, wie „The Turn Of A Friendly Card von Alan Parsons, oder „Dark Side Of The Moon“ von Pink Floyd produziert wurden. Frank Zappa und ABBA waren weitere Künstler, die damit arbeiteten. Pink Floyd war die erste Band, die in den Abbey Road Studios mit einer Studer aufnahmen. Die A80 wurde 1970 vorgestellt und bis 1988 gebaut und war die somit am längsten produzierte Bandmaschine von Studer.

Die hier gezeigte A80 war eine Reservemaschine beim ORF mit nur ca. 400 Betriebsstunden auf dem Zähler.

Ich baute noch 2 RTW Pegelmesser für Ein- und Ausgangspegel ein, welche die Stromversorgung von der Capstan-Speed Buchse erhalten. Der Anschluss befindet sich unter dem Typenschild.

Die Einmessung auf PER528 zeigte einen sehr geraden Frequenzgang. Gemessen bei -10dB unter Bezugspegel.

Nach und nach werden noch alle Tantals durch Elkos oder Folienkondensatoren ersetzt. Die über 40 Jahre alten Elektrolykondensatoren haben bis auf einen alle noch ihre Kapazität und bleiben in der Maschine.

Hier Bewegungs- bzw. Richtungssensor, der auf der rechten Umlenkrolle sitzt. Die Demontage, um die Tantals zu ersetzen, war knifflig.

Die 4 Platinen sind über 3 Steckhülsen verbunden, die hier schon entfernt wurden.
Die roten Teile sind die Tantal
Die 2 schwarzen Scheiben werden über 2 Lichtsensoren abgetastet, um die Bewegung auszulesen.

Am Counter ist auch ein Tantal verbaut, an den man leider nur nach einer kompletten Zerlegung herankommt.

Eine doch recht interessante Bau- bzw. Steckweise…

Nicht zu vergessen, es wurden noch die „Rifas“ – Entstörkondensatoren, auch Knallfrösche genannt, getauscht.

Von diesen Teilen (0,47 µF ) gibt es insgesamt 7 Stück in der Maschine
Hier die gleiche Spooling Motor Platine mit getauschten Rifas und Tantals
Stabilizer Card mit 2 getauschten Tantals. Die 4 goldenen Elkos sind alle noch in der Toleranz. Die 47µF haben noch über 50µF und die Großen 2200µF liegen bei 2135µF, was deutlich in der 50% Toleranz liegt, die Studer angibt.
1.080.396 Attenuator and Preamp vor der Überarbeitung
Hier wurde ein Elko und ein WIMA Folienkondensator eingebaut. Die schwarzen ITT-Tantals verbleiben, da diese durch Widerstände gepuffert sind und somit keine Spannungsspitzen ausgesetzt sind. (Info vom befreundeten E-Ing.)
IC-Memory und Counter Card mit 2 neuen Elkos
Spooling Motor Card
überarbeitet
Contactor Card neu
Capstan Servo Motor Card vorher
danach
Stabilizer Card vor der Überarbeitung
und danach

Anschließend wurden noch die Hybridmodule auf den 4 Audiokarten (blaue Teile) und die Relais auf den Recordkarten ersetzt. Ein Dank hier an Ernst Schmid Elektronik-Entwicklung in München!

Youtubevideos

Audio Technica ART9

Auf wunsch hier ein kleiner Beitrag zur mitunter etwas zweifelhaften Fertigungsqualität von Audio Technica. Bei meinem damaligen ART9 war der Magnet verdreht, was zu einer massiven Beeinträchtigung der Kanaltrennung führte.

Man sieht bei der Messung mit Adjust+, dass auf einer Seite nur noch ca. 19dB Kanaltrennung bestehen. Die Kanalgleichheit differiert um 0,9dB, was auch sehr viel ist.

Hier die gleiche miserable Justierung bei einem 33PTG. Es benötigte 3 Anläufe bis ein sauberes System geliefert wurde.

 

Mastering Equalizer

Vom Verkäufer des 962 (ehemaligen Tonmeister  Unterhaltungsorchester Schweizer Radio)  erhielt ich heute einen CALREC, Model RQQ 2200. Dieser wird für die Überspielung der Bandkopien verwendet.

Tonbandspulen selfmade

Da die B67MKII 30cm Wickel aufnimmt, es in der Größe aber nur NAB-Spulen gibt, entschloss ich mich diese selbst zu fertigen.

Links die MKI, die max. 28cm Wickel nimmt, rechts die MKII mit 30cm Spulen.

Schwanenhalslampe Studer 962

Der BNC-Anschluss hat leider am Mittenkontakt -6V, was die Nutzung von aktuellen LED-Lampen nicht zulässt. Wieder ein Tip von Hans-Joachim Röhrs und schon läuft die Adam Hall Lampe.

Hier leuchtet das gute Stück dann auch schon. Am Summenausgang hängt ein RTW Peakmeter, um die internen PPM´s auf korrekte Anzeige zu überprüfen. Wie man sieht, zeigen die bei 1,55V genau 0dB an.

B67 MKI – Revision

Diese kam über die HiFi-Legende und Foreninhaber von http://new-hifi-classic.de/forum/index.php Jürgen Heiliger zu mir. Die Maschine war beim Schweizer Rundfunk und in sehr gutem Zustand.

Da diese Maschinen aber 30-40 Jahre alt sind, müssen z.B. Entstörkondensatoren (Rifas) und manche Elkos getauscht werden. Dies führte wieder der befreundete E-Ing. aus. Hier einige Bilder von ihm:

Recordingkarte vor der Revidierung

danach

Wiedergabekarte zuvor

danach

Messtechnik bei Volker

Der alte Fuchs Volker hat mir hier die frontseitigen 2 Knöpfe umfunktioniert in Vor- und Hinterband

SM900 bei 9cm (ungeeignet für diese Geschwindigkeit)

SM900 bei 19cm/s

SM900 bei 38cm/s

Anschließend bekam sie noch hübsche Seitenleisten

Und die Heirat:

Die Revision Studer 962

 

Es ist noch gut erhalten, aber an einigen Kanalzügen waren die Elkos doch schon am Ende bzw. hatten nur noch die halbe Kapaziät. Da kommt es natürlich nicht ungelegen, dass Freund und Kumpel Johannes sich erst eine Profientlötstation gekauft hatte, diese aber noch nicht ausgepackt war.

Lötstelle mit Stereomikroskop

Glücklicherweise ist das Pult modular/steckbar aufgebaut. In unserer heutigen Wegwerfgesellschaft unvorstellbar.

Wochen später

Hier der Monokanal mit Studerfader in Originalzustand,

und hier mit Penny & Giles Fader

und hier mit neuen Elkos

In einigen neueren Zügen waren noch alle Elkos i.O. und so wurde nur ein Tantal gewechselt.

Bilder über die Zerlegung/Reinigung/Schmierung der Fader

Studerfader

defekte/fehlende Führungsbuchse

Kontaktfeder defekt

Es folgte noch eine Überholung des Netzteils durch einen befreundeten Elektro-Ingenieurs

und die Fertigung der Breakoutbox,

sowie die Peitsche von den Insert-Sends zum Fireface, falls es dann doch mal Digital wird, bzw. das Monitoring über dieses geschieht.

 

Studer 962 – Paul Zwicky und sein Patent

Im Rahmen der Analogue Audio Association e.V. möchte ich rein analoge Aufnahmen von Jazz- und Klassikkonzerten durchführen. Hierzu kaufte ich vom Musikregisseur und Tonmeister des Unterhaltungsorchester des Schweizer Radios ein Studer 962. Dieses Pult kostete in den 80er jahren ca. 30.000 CHF

Das Grundkonzept stammt von Paul Zwicky (Elektronik) und Hermann Stierli (human engineering). In der Studiotechnik werden symmetrische Audioleitungen verwendet, wobei der Eingang eine möglichst hohe Gleichtaktunterdrückung aufweisen soll. Studer hatte immer die Pflichtenhefte des Rundfunks zu erfüllen, welche bei ca. 60dB lagen. Da damals Eingangsübertrager teilweise in Bezug auf Frequenzgang und Verzerrungswerte einen schlechten Ruf hatten, setzte man vermehrt auf aktive trafolose Eingangsschaltungen. Diese haben allerdings auch Nachteile, wie eine ungenügende Gleichtaktunterdrückung bei tiefen Frequenzen und eine reduzierte maximale Eingangsspannung.

Akzeptiert man dies nicht, so muss der Transformator unweigerlich so gut gebaut werden, dass dieser die Anforderungen entspricht. Der Klirrfaktor soll also max. 0,1% betragen und eine Eingangsspannung bei 30Hz von +6dBU möglich sein. Soll der Eingangswiderstand die 100Ohm nicht überschreiten, so liegt das Volumen dieses Transformators laut der schweizer Zeitschrift Swiss Sound bei 40cm³, das Gewicht bei 200Gramm und er würde 30Dollar kosten (damals).

Für die Regiepulte 961/962 musste also eine Lösung gefunden werden, welche noch geringere Verzerrungen aufweist und zudem finanzierbar ist.

Die Lösung war eine Seriengegenkopplung auf den Primärkreis. (Die Informationen stammen aus dem SwissSound-Artikel. Ich bin zuwenig elektronisch bewandert hierfür. )

Quelle: SwissSound11-1

Die Details kann man in den Artikel nachlesen. Jedenfalls war der Patentinhalt ein Produkt, welches nur 33Gramm wog und 6 Dollar kostete.

Die Gleichtaktunterdrückung lag bei 50-60Hz bei größer 120dB, bei 4kHz waren es größer 90dB.

Der Frequenzgang bei 10Hz -0,1dB, 16kHz 0dB und 66kHz -3dB.

Die Tieftonübertragungsqualität kleinvolumiger Übertrager war also an die der großen Übertrager angekommen. Zwicky ist das so eindrucksvoll gelungen, dass der Übertrager noch heute im Neutrik NRM4 und NTL1 gebaut wird.

Diese spezielle Luxusversion ist ausschließlich im 961/962 verbaut. In größeren Pulten ist eine abgespeckte Version integriert.

Herzliche Dank für die viele Hilfe und Informationen an Hans-Joachim Röhrs – Tonmeister VDT, der die Entwickler noch persönlich kennt/kannte.